Dienstherreneigener Studiengang „Soziale Arbeit im öffentlichen Dienst“ ?!

Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst in Hamburg* zum Dienstherreneigenen Studiengang „Soziale Arbeit im öffentlichen Dienst“ oder neuerdings „Kommunale Soziale Arbeit“

Verabschiedet am 6. September 2017

Die Landesarbeitsgemeinschaft ASD in Hamburg lehnt einen eigenständigen Studiengang „Soziale Arbeit im öffentlichen Dienst“ ab. Das Konzept sieht einen Studiengang vor, der die Absolvent/innen auf Verwaltungsabläufe und Managementaufgaben vorbereiten soll, die im ASD und anderen öffentlichen Aufgaben im Vordergrund stehen sollen. Die Studierenden sollen vom Zentrum für Ausbildung (ZAF)bzw. Personalamt ausgesucht werden und erhalten eine Finanzierung des Studiums und Zusage eines Beschäftigungsverhältnisses bei der Stadt Hamburg mit entsprechender Bindung.
Die Idee des Dienstherreneigenen Studiengangs ist der Versuch, dem Fachkräftemangel insbesondere im ASD entgegen zu wirken. Das vom ZAF entwickelte Ausbildungskonzept und die Idee dahinter greifen aber zu kurz. Der ASD ist ein wichtiger und im politischen Fokus stehender Bereich der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit ist eine Profession, die gerade in ihrer Komplexität eine fundamental wichtige gesellschaftliche Aufgabe ausfüllt. Diese Komplexität zu reduzieren, um vordergründig schneller und besser spezialisierte Fachkräfte für die öffentliche Verwaltung, insbesondere den ASD auszubilden, schadet der Profession.
Die Aufgaben im ASD mit vorwiegend Klient/innen in schwierigen Lebenssituationen erfordern eine hohe psycho-soziale Wissens- und Methodenkompetenz. Ihre Berufsethik muss sich nach den nationalen und internationalen Ethic-Codes der Sozialen Arbeit ausrichten. Insofern ist ein interdisziplinäres Grundlagenstudium notwendig, wie sie an der HAW und der Evangelischen Hochschule im BA-Studium vermittelt wird nach den Grundsätzen der Disziplin und Profession Sozialer Arbeit.
Für den ASD und deren Mitarbeiter/innen ergäbe sich, wenn o.g. Studiengang verwirklicht wird, eine inhaltliche und personalrechtliche Spaltung.
Insofern fordern wir um die Einheit der Profession im ASD zu erhalten und den Fachkräftemangel zu beheben:

  • Allgemeine Anhebung der Studierendenzahlen für die beiden Hochschulen bei entsprechender Finanzierung
  • Eine Schwerpunktbildung „Kommunale Soziale Arbeit“ im Studium, analog zu den anderen bereits bestehenden Schwerpunkten
  • Für die Anleitung der studienbegleitenden Praktika müssen ausreichend Ressourcen im Personalbereich des ASD geschaffen werden
  • Wieder-Einführung des bezahlten Berufspraktikums unter der Verantwortung der Hochschulen, aber mit Beteiligung der Anleiter/innen aus der Praxis mit entsprechenden Personalressourcen im ASD
  • Fort- und Weiterbildung und die Möglichkeiten der Supervision müssen verstärkt angeboten werden, um die spezifischen Aufgaben des ASD zu gewährleisten
  • Keine aus diesem Studiengang verbeamteten Sozialarbeiter/innen, sie stehen personalrechtlich in einem Ungleichgewicht zu den angestellten Sozialarbeiter/innen
    Abbau der Überbürokratisierung im ASD und Schaffung von Arbeitsbedingungen, die eine professionelle Soziale Arbeit ermöglichen und damit der Fluktuation entgegenwirkt

Der Allgemeine Soziale Dienst geht in seinem Beratungs- und Unterstützungsauftrag, schon seinem Namen nach, in seiner notwendigen Fachlichkeit weit über Jugendhilfe und Verwaltung hinaus. Die Lebenswelt der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien ist komplex und erfordert eine kompetente professionelle Soziale Arbeit. Ein Studium, das diesen vielfältigen Anspruch in Frage stellt, kann nicht im Sinne des ASD und seiner Klient/innen sein.

Der Sprecherrat der LAG ASD Hamburg

Kontakt über:
lag-asd-hh@web.de

* Die LAG ASD-Hamburg wird getragen von Vertreter/innen der Berufsorganisationen ASD-Vernetzungstreffen, DBSH, ver.di, Ev.Hochschule und HAW. Sie wurde gegründet am 26.10.2016.