ASD – Ein erfolgreicher Dienst?!

Stellungnahme zum Fachtag ASD

Es wird viel geredet über den ASD. Vor allem dann, wenn alles schief gegangen ist. In Hamburg ist es in den letzten Jahren öfter schief gegangen. Was bleibt ist ein Arbeitsfeld, welches zutiefst verunsichert ist.

Das ist eine schlechte Ausgangslage, wenn man bedenkt, dass der ASD die Instanz ist, welche für den Kinderschutz in der Stadt einen großen Teil der Verantwortung trägt.

Da sich alle darüber einig sind, dass guter Kinderschutz nicht nur gewollt ist, sondern dass es eine absolute Notwendigkeit darstellt, dass gerade dieser sensible Bereich gut aufgestellt ist, verwundert es, dass trotz jahrelanger Diskussionen und zum Teil sehr teurer Versuche eine Verbesserung offenbar nicht eingetreten ist.

ASD Fachtagung zeigt die Rote Karte

ASD Fachtagung zeigt die Rote Karte „Wir geben der Politik die Rote Karte für den hohen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand, längst überfällige Fallbegrenzungen, nicht adäquat, begegnetem Personalmangel“ so Stefan Gölz, engagiert im DBSH Hamburg und Mitarbeiter im ASD.

Oder der ASD war schon immer in vielen Bereichen gut, nur hat es keiner bemerkt. Der ASD steht in der Öffentlichkeit, wenn Dinge schief gelaufen sind. Das ist normal, so geht es auch anderen Institutionen. Fehler sind publikumswirksamer als Beispiele für gutes Gelingen.

In der Wirtschaft gilt als erfolgreich, wer viel genutzt wird. Hierüber kann sich der ASD nicht beschweren. Die steigenden Ausgaben im HzE-Bereich sprechen hier Bände. Dieses wird wiederum als Misserfolg gewertet. Insbesondere in den Zeiten der Schuldenbremse. Der große Teil der Hilfen verläuft teilweise oder in vollem Umfang erfolgreich. Wie viele der Hilfen erfolgreich verlaufen, wird anscheinend trotz hohem Aufwand der Datenpflege nicht so evaluiert, dass Erfolge denen, die sie erreichen, widergespiegelt werden. Mit den Familien machen das die sozialpädagogischen Fachkräfte, wer macht das bei den SozialarbeiterInnen? Bei all der Datenpflege sollte auch die Feststellung von Erfolg möglich sein. Darüber spricht aber niemand. Datenpflege dient dem System, damit es sich sicher fühlt. Das ist der Fall, wenn Verantwortlichkeiten klar zugeteilt werden können. Dieses scheint aber wiederum nur für Misserfolge zu gelten, nicht für Erfolge.

Während jede andere Institution, insbesondere jede mit einem solchen Umsatz und Erfolgsquoten sich damit in der Öffentlichkeit präsentieren würden, passiert beim ASD das Gegenteil.

Jeder Misserfolg wird breit getreten, die Institution und Menschen an den Pranger gestellt, Köpfe rollen, neue Kontrollinstrumente werden installiert, möglichst mit dem Gießkannenprinzip, und so die notwendige praktische Sozialarbeit weiter eingeschränkt.

Stellt sich die Frage, was ist überhaupt Erfolg bezogen auf die Arbeit des ASD? Gemäß dem gesetzlichen Auftrag des Jugendamtes, ist es Erfolg, wenn sich durch das Wirken des ASD Lebensbedingungen junger Menschen verbessern und deren Schutz sichergestellt ist.

Stellt sich die Frage, wer Erfolg feststellen kann. Direkt erleben können ihn junge Menschen und ihre Familien. ASD-Fachkräften kommt dabei eine Schlüsselrolle in dem Prozess der erfolgreichen Veränderung von Familiensystemen zu. Um Familien in diesem Sinne zu Erfolg zu verhelfen, ist es in Schwerpunkt von sozialpädagogischen Fachkräften im ASD, einen Fuß in die Tür von Familien zu bekommen, auch wenn diese das nicht zulassen wollen. Sozialarbeiterinnen können nicht über Familien bestimmen, sie können nur gemeinsam mit Familien Lösungen suchen in teilweise schwierigsten Lebenslagen.

Herausforderungen professionellen Handelns im ASD

SozialarbeiterInnen müssen anerkennen, dass Familien für ihr Leben die größeren Experten sind als sie als Fachkraft. Auch ob Familien durch die Fachkräfte im ASD angeregte Veränderungen als Erfolg werten, ist einzig und allein Sache der Familie. Fachkräfte im ASD müssen Familien dafür gewinnen, in eine konstruktive Arbeitsbeziehung mit ihnen einzutreten. Diese Aufgabe erfordert ein Höchstmaß an Professionalität.

Professionalität von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen beinhaltet Fachwissen diverser Fach- bzw. Wissenschaftsbereiche. Und zudem braucht es für Beziehungsarbeit, wie sie im ASD geleistet wird, noch eine Menge Selbstreflexion und eine Haltung, welche es ermöglicht, sich mit Menschen in komplexen Lebenslagen in eine professionelle Beziehung zu begeben und bei der Suche nach Lösungen aus teilweise ausweglos scheinenden Situationen zu unterstützen. Hier kommt die Berufsethik ins Spiel, ohne die Soziale Arbeit nicht existieren kann. In der Zusammensetzung von fachlicher Kompetenz und einer berufsethischen Haltung und damit positiver Identifikation liegt einer der Schlüssel für erfolgreiche Soziale Arbeit, im ASD für erfolgreichen Kinderschutz.

Buntstifte und KindDie Entwicklung einer positiven Identität erfordert einen sicheren Rahmen. Diesen muss unter anderem die Organisation bieten. Alleine das Vorgeben von Standards reicht hier nicht aus. In der Arbeit mit komplexen Lebenswelten ist das Abarbeiten von Diagnostikbögen zwar hilfreich aber ohne Nutzung der eigenen Fachlichkeit (Fachwissen, Haltung, Methodik) gefährlich, weil das reine Abarbeiten von Standards den Blick auf das Wesentliche, nämlich die Lebenswelt verkürzen kann. Der Hamburger ASD hat mit Sozialpädagogischer Diagnostik, Kinderschutzdiagnostik und diversen Fachanweisungen, alle zu finden im Anlagenband, mehr als ausreichend Regelungen. Wie komplex das Regelsystem ist, zeigen die zahlreichen Flussdiagramme aus dem QMS eindrucksvoll. Und trotzdem alle dieses vorhanden ist, und es dazu noch das extra für den Hamburger ASD entwickelte Fachverfahren JusIt gibt, können auch weiterhin Kinder durch alle Systeme rutschen und sterben. Vielleicht auch, und die Gefahr erscheint sehr hoch, weil die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor lauter Datenpflege (nicht zu verwechseln mit unumstritten wichtiger Dokumentation der fachlichen Arbeit) nicht die Zeit finden, hinzuschauen, nachzufragen, eigene blinde Flecke und die der Familien aufzuspüren und in den Fokus zu rücken.

Ohne qualifizierte Fachkräfte und eine positive Identifikation mit der Organisation und der Aufgabe, ist ein ASD nicht arbeitsfähig und damit der Kinderschutz gefährdet.

Ein ASD, der gut arbeitet, erfüllt folgende Kriterien:

  • Er kennt die ihm anvertrauten Kinder, Jugendlichen und deren Familien und orientiert sein Handeln am Wohl der Familie
  • Er ist für die hilfebedürftigen Menschen im Sozialraum zugänglich und wird wahrgenommen als unterstützende Institution, die bei Bedarf die Aufgabe des staatlichen Wächteramtes verantwortlich ausfüllt
  • Er unterstützt Familien darin, unabhängig von Hilfe zu werden
  • Ziel der Hilfe, die geleistet wird, ist die Verbesserung der Lebenssituation junger Menschen, nicht die Absicherung von Fachkräften oder der Politik
  • Dokumentation erfüllt die Kriterien, die erforderlich sind, um die Arbeit mit den Familien nachvollziehbar und rechtssicher zu machen. Die dafür verendete Software ist überschaubar und unanfällig für Fehler
  • Guter Austausch mit den Hochschulen. Hochschulen sind beteiligt an der Evaluation der Arbeit im ASD, Hochschulen bereiten angehende Sozialarbeiter auf das Berufsfeld qualifiziert vor.
  • Gute Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür ist guter und offensiver Rückhalt in der Verwaltung und Politik erforderlich
  • Angemessene Ausstattung sowohl in Bezug auf personelle als auch sachliche Ausstattung.
  • Ein wissenschaftlich fundiertes System fachlicher Evaluation, sowohl der gelungenen als auch der misslungenen Hilfen.
  • Gut qualifizierte Fachkräfte, die eine positive Identifikation mit ihrer Arbeit haben und weiter entwickeln

Der DBSH als tariffähige Gewerkschaft und als Berufsverband setzt sich für die Umsetzung dieser Kriterien ein.

gez. DBSH Landesverband Hamburg