Die Berufsethik des DBSH ist online!

Kann es in einer pluralen Gesellschaft verbindliche ethische Grundprinzipien geben?
Über diese Frage wird eine strittige Theoriediskussion im Bereich der Sozialen Arbeit geführt.
Der DBSH hat sich bereits in den 1990er Jahren für bindende ethische Prinzipien in der Gesellschaft ausgesprochen. Drei der wichtigsten ethischen Grundprinzipien stehen im Vordergrund:

  • Achtung der Autonomie der Klientel
  • Gerechtigkeit
  • Solidarität

Da Soziale Arbeit aus ethischen Gründen eine Menschenrechtsprofession ist, leiten sich daraus die Berufsethik und die berufsethischen Prinzipien des DBSH ab. Im Laufe der Bestrebungen zur zunehmenden Professionalisierung der Sozialen Arbeit müssen Aufgaben und Funktion einer aktuellen Berufsethik neu definiert und auf veränderte Gesellschafts- und Praxisbedingungen angepasst werden.

Diese Definition kann nicht allein der Wissenschaft im Bereich der Sozialen Arbeit überlassen werden, die sich im Rahmen der Professionsdiskussion damit befasst. Denn eine Berufsethik ist „keine Anleitung konkreter Handlungsorientierungen aus allgemeinen moralischen Normen, die ,ethische Fachleute‘ für die Praktiker_innen Sozialer Arbeit bewerkstelligen“.

DBSH-Berufsethik„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – ein Grundsatz, der insbesondere für die Soziale Arbeit oberstes Anliegen sein muss. Was heißt nun Würde? Sprachgeschichtlich ist das Wort „Würde“ mit dem Begriff „Wert“ verwandt, und bezeichnet ursprünglich den Rang, die Ehre, den Verdienst oder das Ansehen einer Person. Seit der Zeit der Aufklärung wurde im Unterschied zur Statusorientierung des Begriffes mit „Würde“ ein eher abstrakt zu verstehender sittlicher und moralischer Wert bezeichnet.

Die Bundesmitgliederversammlung des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit hat in ihrer Sitzung im Jahr 2008 in Köln dem Geschäftsführenden Vorstand den Auftrag erteilt, die berufsethischen Prinzipien zu überarbeiten und eine eigene Berufsethik aus Sicht der Berufspraxis – aus Sicht der Profession – zu erarbeiten.

Dabei war man sich bewusst, dass sich eine Berufsethik in einem ständigen Prozess befindet und daher nie abschließend festgelegt werden kann. Diese Prozesshaftigkeit hat sich auch in der Entwicklung der jetzt vorliegenden Berufsethik des DBSH gezeigt. An der Berufsethik des DBSH arbeiteten viele Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen Hintergründen aus Theorie und Praxis mit. Der regelmäßige Dialog und Diskurs mit Professionsvertreter_innen im deutschsprachigen Raum beflügelte zusätzlich den Prozess zur Entwicklung der hier vorliegenden Berufsethik. Die Berufsethik ist das Herzstück der Profession der Sozialen Arbeit.

Vom Grundsatz her unterscheidet sich das Handeln einer Profession erheblich von einem reinen auf Anordnungen durchgeführten Diensthandeln. Wesentliches Element ist die Haltung „in und zu“ Sozialer Arbeit, die sich ganz auf ein auf Ethik ausgelegtes Handeln richtet.(…)

Die Bundesmitgliederversammlung verabschiedete 2014 in Berlin die Berliner Erklärung – zu Berufsethik und berufsbezogenen Prinzipien des DBSH. Davor fand der 3. Berufskongress 2014 in Berlin unter dem Motto „Wir stehen für Ethik in der Sozialen Arbeit“ statt. Die nun vorgelegte Berufsethik des DBSH erfüllt den Auftrag der Organe des DBSH. Damit ist sie für den DBSH und in dessen wesentlichen Bereichen in der Berufspolitik, der Fachpolitik, der Sozialpolitik und der Arbeitsmarktpolitik die Basis unseres Handelns und unserer Visionen.

Der Weg zur Profession der Sozialen Arbeit führt nur über eine Berufsethik. Wir laden deshalb alle Akteure in der Sozialen Arbeit herzlich ein, sich mit dem DBSH auf diesen Weg zu machen und die berufsethischen Grundlagen für die Profession weiterzuentwickeln.

Die Bundesvorsitzenden bedanken sich für den DBSH bei allen Akteuren, die in diesem langwierigen Prozess mitgewirkt haben.

Michael Leinenbach
1. Bundesvorsitzender

Gabriele Stark-Angermeier
2. Bundesvorsitzende

Anregungen, Diskurse und Meinungen sind erwünscht unter: ethik[at]dbsh.de

Berufsethik des DBSH als Download

(Text aus dem Vorwort zur Berufsethik entnommen)