Heidelberger Erklärung – Berufspolitische Position des DBSH

Gesellschaft und die Soziale Arbeit haben sich in den letzten Jahren verändert. Gesellschaftlich sind wir weltweit mit defizitären Staatshaushalten konfrontiert, die Folge eines alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringenden neoliberalen Wirtschafts- und Politikverständnisses sind. Die zunehmende Verschuldung der öffentlichen Haushalte schränkt die Handlungsmöglichkeiten der Politik zur sozialen Sicherung, zur öffentlichen Erziehung und Bildung und zur Bekämpfung sozialer Probleme ein. 
Dies führt einerseits zur Minderung oder Streichung staatlicher Transferleistungen, andererseits zum Bemühen der öffentlichen Hand, soziale Dienstleistungen als Handelsware zu verstehen und möglichst kostengünstig einzukaufen.
Auf Seite der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führt dies einerseits zu Stellenabbau, höherer Arbeitsbelastung/-verdichtung und Einkommensverlusten, andererseits verändern sich aber auch die Arbeitsinhalte: Dort wo früher Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund stand, nehmen Kontrollaufgaben und restriktiv-bürokratische Vorgaben zu. Über eine zunehmende Spezialisierung, Segregation und „Manualisierung“ der Tätigkeiten wird von der Politik eine Dequalifizierung im Personaleinsatz versucht. Analog dieser Ökonomisierungstendenzen passt sich insbesondere die Fachhochschullandschaft der Marktorientierung an. Das Studium der Sozialen Arbeit differenziert sich spätestens seit dem Beginn des Bologna-Prozesses zunehmend aus. Mit verkürzten und spezialisierten Studiengängen versucht man einerseits die Beauftragung von Bezugswissenschaften mit ihren Kompetenzen in der Lehre zu sichern und andererseits passgenaue Studienangebote für von der Politik fachfremd definierten soziale Handlungsbereiche anzubieten. Der Blick für den Gesamtzusammenhang und auf die strukturellen Faktoren sozialer Probleme geht auf diese Weise ebenso verloren, wie ein eigenständiges professionelles Verständnis von Sozialer Arbeit und deren Praxis.
Vor diesem Hintergrund will der DBSH eine Diskussion anstoßen, die zwei Ziele verfolgt.
1. Die Soziale Arbeit bearbeitet soziale Probleme aus einer ganzheitlichen Sicht heraus. Deshalb ist es unverzichtbar, dass nach den Gemeinsamkeiten in der Sozialen Arbeit jenseits aller Spezialisierung gesucht wird. Dieser Blickwinkel muss sich auch in einer generalistischen Ausbildung wiederspiegeln.
2. Es soll deutlich gemacht werden, dass eine Aushöhlung der Fachlichkeit in der Sozialen Arbeit nicht hingenommen wird. Wir sind die Expertinnen und Experten für das Soziale! Was unsere Fachlichkeit ausmacht und welche Forderungen sich daraus für den Beruf, die Gesellschaft, die Politik, die Hochschulen und die Träger ergeben, ist Inhalt dieses Papiers.
Damit stellt sich der DBSH einer breiten Diskussion um die Sicherung der Fachlichkeit und eine angemessene finanzielle Ausstattung der Sozialen Arbeit. Als Berufsverband nimmt er dabei eine Position ein, die nicht von politischem oder hochschulpolitischem Kalkül bzw. von Trägerinteressen geleitet ist, sondern die Entwicklung des Berufes als Ganzes in den Blick nimmt. 

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