Wer definiert Soziale Arbeit in der Jugendhilfe? Politik greift Fachlichkeit der Sozialen Arbeit an

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Laut § 1 des SGB VIII  soll die Jugendhilfe junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen.
In der Koordinierungssitzung der A-Staatssekretäre am 13.05.2011 in Berlin wurde an der fachlichen Öffentlichkeit vorbei eine Änderung genau dieses Kinder- und Jugendhilferechts diskutiert, zur „Wiedergewinnung kommunalpolitischer Handlungsfähigkeit zur Ausgestaltung von Jugendhilfeleistungen“. Grundlage der Diskussionen ist der seit Jahren anhaltende Anstieg der Ausgaben und Fallzahlen im Bereich der Hilfen zur Erziehung. Dabei wird die Behauptung aufgestellt, dass der individuelle Rechtsanspruch von Familien auf Einzelfallhilfe und die starke Stellung freier Träger durch unwirksame Hilfen, insbesondere in Form der Sozialpädagogischen Familienhilfe, unnötige Kosten verursachen. Weiter sei das weit gefächerte Angebot der Jugendhilfe kaum noch zu steuern und vernetzte sich nicht mit Regeleinrichtungen wie den Frühen Hilfen, Kindergärten und Schulen.
Die Sozialraumarbeit wird als eine kostengünstiges Allheilmittel der überteuerten Einzelfallhilfen gegenübergestellt, die jedoch nicht ausgebaut und genutzt werden könne, da alle vorhandenen Gelder in die unnütze Einzelfallhilfe fließen würden. Nicht nur, dass der Begriff des Sozialraumes zwar oft verwendet, aber nicht näher definiert wird und die gestellten Behauptungen in keiner Weise belegt werden, auch die verschiedenen Sparten der Sozialen Arbeit werden durch diese Politik gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt.

In den letzten Jahren wurden fast überall in Deutschland wichtige Sozialraumstrukturen zerschlagen und gut arbeitende Einrichtungen aus Kostengründen geschlossen. Nun sollen diese Sozialräume die jungen Menschen und ihre Familien in allen Lebenslagen unterstützen und z.B. Heimunterbringungen vermeiden helfen, indem die Schulen, Kindergärten und Frühen Hilfen weiter ausgebaut werden und die Aufgaben der Einzelfallhilfe übernehmen. Ein wirksames Konzept, wie dies gelingen soll, konnte bisher von Seiten der Politik nicht vorgelegt werden.

Zwar wurde mittlerweile erklärt, dass es nicht um eine Auflösung des Rechtsanspruches auf Hilfe zur Erziehung gehe, aber weiterhin tagten seit Mai 2011 mehrfach die Staatsräte aller Bundesländer, Vertreter der Spitzenverbände der Kommunen und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hinter verschlossenen Türen. Das nächste bekannte Treffen ist für den 02. März 2011 angesetzt.

Um diesen Vorgängen entgegenzutreten und das Recht der Familien auf eine individuelle Hilfe zu erhalten hat sich das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – Professionalität und Parteilichkeit gegründet. Teilnehmer dieses Bündnisses, das regelmäßig parallel zu den Sitzungen der Politik tagt und den Austausch mit dieser sucht, sind nicht nur die drei Gewerkschaften DBSH, Verdi und GEW, sondern auch freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, das unabhängige Forum kritische Soziale Arbeit und viele Einzelpersonen. Zu den namenhaften Mitgliedern des Bündnisses gehören u.a. Prof. Dr. Silvia Staub-Bernasconi, Prof. Dr. Reinhard Wiesner und Prof. Dr. Mechthild Seithe.

Weitere Informationen gibt es auf folgenden Seiten:

http://einmischen.com
http://sozialearbeit.einmischen.info
http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de

Das Bündnis ist entstanden aus Kollegen die für eine starke Soziale Arbeit Stellung beziehen möchten und sich in diesen wichtigen Fragen des Kinder- und Jugendhilferechtes einbringen möchte.

Deshalb werden auch Sie Mitglied im DBSH, neue Mitglieder sind die Basis für den Einfluss der Praxis auf die Soziale Arbeit und als Mitglied im DBSH tragen Sie dazu bei, das Soziale Arbeit ihre Anliegen verdeutlichen kann.

Der DBSH setzt sich im Rahmen der Interessenvertretung insbesondere für folgende Ziele ein:

Verbesserung der Bedingungen sozialer Arbeit,
fachliche Profilierung und leistungsgerechte Anerkennung der sozialen Berufe
Zusammenarbeit aller in sozialen Arbeitsfeldern beschäftigten Fachkräfte
die Verbesserung des Stellenwerts der Profession Soziale Arbeit in der Gesellschaft,
gerechtere Partizipation der Zielgruppen Sozialer Arbeit am politischen Handeln, den Gütern und Dienstleistungen der Gesellschaft,
den Erhalt und die Verbesserung der Fachlichkeit der Profession Soziale Arbeit,
eine gerechtere Entlohnung der Profession,

Ihre Mitgliedschaft stärkt die Soziale Arbeit.

Für Fragen stehen Ihnen,

Dirk Relling: d.relling@dbsh-sh.de

zur Verfügung.